|
Die Kirche
Wer sich am imposanten schindelgedeckten Zwiebelturm der Eilsbrunner Dorfkirche orientiert, könnte meinen, er hätte eine der typischen bayerischen Barockkirchen vor sich. Auch
die runde Umfriedung des Gottesackers um die Kirche und der behäbige Pfarrhof nebenan scheinen in dieses Bild zu passen. Doch Vorsicht! Die Kirche geht in ihrem Ursprung in die romanische Zeit zurück.
Dieses Gotteshaus auf dem Lande zählt zu den ältesten Wolfgangskirchen des Bistums Regensburg. Die Eilsbrunner Kirche („ad Egilisprunna ecclesia“) wird erstmals urkundlich in der Güterbeschreibung von
St. Emmeram in Regensburg von 1031 – allerdings wohl in einem Nachtrag des 12. Jahrhunderts – erwähnt. Der erste namentlich bekannte Pfarrer ist „Bernoldus“, bezeugt für das Jahr 1192. Das ist die Zeit,
als kurz vorher Friedrich Barbarossa auf dem dritten Kreuzzug in Kleinasien ertrunken war (1190) und das prächtige Portal des Schottenklosters St. Jakob in Regensburg der Vollendung entgegen ging.
Weit über ein halbes Jahrtausend, bis zur Säkularisierung 1810, war die Geschichte Eilsbrunns besitzmäßig mit der Geschichte des Regensburger Benediktinerklosters St. Emmeram
verbunden. Nur eine kleine Ausnahme gibt es: 1659 wurde Eilsbrunn für sechs Jahre an das Benediktinerkloster Prüfening verpfändet. Ansonsten wurden die Pfarrer Eilsbrunns normalerweise vom Emmeramer Abt
bestimmt oder die Pfarrei durch Mönche des Klosters St. Emmeram versehen. Der „Emmeramer Steig“ bzw. „Pfarrersteig“ über die Marienhöhe durch den Wald nach Eilsbrunn erinnert an die Wege der Emmeramer
Mönche aus dem Kloster in die inkorporierte – „einverleibte“ – Pfarrei. Der spätere Emmeramer Abt und berühmte Klostergeschichtsschreiber Coelestin Vogel übte hier 1644, während des Dreißigjährigen
Krieges, das Amt des Pfarrverwesers aus.
Eilsbrunn wurde die Mutterpfarrei eines ausgedehnten Gebietes im Umland Regensburgs: Viehhausen wird 1338 als „gelegen in der Pfarr ze Eysbrunn“ bezeichnet; erst 1979 wurde
Viehhausen eigene Pfarrei. Schon 1192 wird eine Kirche in Waltenhofen (an der Naab zwischen Mariaort und Etterzhausen) Eilsbrunn als Filiale unterstellt, doch war die Kirche dort 1508 bereits
verschwunden. Die seit Mitte des 14. Jahrhunderts bestehende Marienkirche Mariaort wurde seit mindestens 1476 der Pfarrei Eilsbrunn zugeordnet und blieb es bis heute. Gleiches gilt für Riegling mit
seiner romanischen St. Michaelskapelle. Dagegen erscheint Alling erst seit 1665 als Filiale von Eilsbrunn. Das ganze Mittelalter über war die im 12. Jahrhundert erbaute Allinger Kapelle mit dem Kloster
Prüll bzw. Karthaus-Prüll verbunden.
Die Eilsbrunner Kirche, wie sie uns heute entgegentritt, entstand in drei Bauphasen: Das Langhaus stammt aus der Romanik, wurde wohl im 12. Jahrhundert errichtet. Auch der
Turm im Sockelgeschoß mit gedrücktem Kreuzgratgewölbe ist allem Anschein nach noch mittelalterlich, während die hochragenden Turmteile mit abgerundeten Ecken, toskanischen Pilastern und geschweiftem
Kranzgesims, dazu der mächtigen schindelgedeckten Zwiebel 1749 errichtet wurden. Die letzte große Veränderung erfolgte zu Beginn des Bismarckreiches: 1873/74 wurde die Kirche durch ein stark
ausspringendes Querhaus und die heutige Chorapsis mit den großen Rundbogenfenstern erweitert. Ältestes Ausstattungsstück aus der Erbauungszeit der Kirche im 12. Jahrhundert ist ein einfacher romanischer
Taufstein, heute im nördlichen Arm des Querhauses. Das Tauf- und Begräbnisrecht zählte ja zu den wichtigsten Rechten einer Pfarrkirche. Die edle Figur des Kirchenpatrons St. Wolfgang in der Nische des
barocken Akanthus-Hauptaltars schuf ein unbekannter Künstler der Spätgotik, um 1480/1500. Wolfgang, Bischof von Regensburg 972–994, zeitweilig zugleich Abt von St. Emmeram, war ja bereits 1052
heiliggesprochen worden und in der Wolfgangskrypta der St. Emmeramskirche bestattet worden. So war es nicht verwunderlich, dass das Kloster St. Emmeram zwei seiner Klosterpfarrkirchen – Matting und
Eilsbrunn – bald nach der Heiligsprechung diesem Patron weihte. Das Attribut des Heiligen, die Kirche mit Wolfgangihackl, ist freilich neu und Modell der heutigen Eilsbrunner Kirche. Ebenfalls
spätgotisch jedoch ist die anmutige Muttergottesstatue mit Kind an der Stirnwand über dem linken Seitenaltar. Der neuromanische Hauptaltar des 19. Jahrhunderts musste 1962 dem heutigen Barockaltar –
vermittelt durch Prälat Hartig aus dem Kloster Speinshart – weichen, das neuromanische Deckengemälde eines Christkönigs wurde beseitigt. Die „Neobarockisierung“ der Kirche wurde damals durch die
Wiederanbringung der barocken Figuren der hl. Katharina und Barbara, der hl. Wendelin und Leonhard und des hl. Nepomuk an den Langhauswänden unterstrichen und durch Einfügung eines
Neobarockdeckengemäldes mit dem hl. Wolfgang im Querhaus bei der letzten Restaurierung 1998 gleichsam vollendet. Diese Pfarrkirche wählte sich der Landadel der Umgebung als Grablege. Die Schönhofer,
Reisacher, Sauerzapf und vor allem die Rosenbusch ließen sich hier bestatten. Der älteste Grabstein erinnert an den 1421 verstorbenen Johann Schönhofer, auf den Kopf gestellt im Turmeingang. Daneben
(rechts) das in der Mitte zerbrochene Epitaph des 1483 verstorbenen Kaspar Reisacher, vielleicht eine Arbeit der Regensburger Dombauhütte der Roritzer.
|